Smart Village App
Abfallkalender-Modul
PROJEKTÜBERSICHT
Neukonzeption des Abfallkalenders mit umfänglichen Servicefeatures für die Smart Village App
Die Smart Village App ist eine Open-Source-basierte App, die speziell für Kommunen entwickelt wurde, um Bürger:innen lokale Informationen, Dienstleistungen und digitale Verwaltungsangebote bereitzustellen. Die App richtet sich an Gemeinden, Städte und Landkreise, die ihre digitale Infrastruktur verbessern und den Bürger:innen einen einfachen Zugang zu kommunalen Informationen und Dienstleistungen bieten möchten. Sie ermöglicht es durch ein modulares System, eine individuell angepasste App zu gestalten, ohne eine komplett neue Anwendung entwickeln zu müssen.
Als UX/UI-Designerin bei Smart Village Solutions war ich für die Entwicklung neuer Module der App zuständig. Das bestehende Abfallkalendermodul war zwar funktional, entsprach jedoch weder den Richtlinien unseres Designsystems noch den Usability-Standards. Daher war eine Neugestaltung erforderlich.
Das Problem
Mängel bei Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit
Der bisherige Abfallkalender war schwer zu bedienen: Die UI-Komponenten fügten sich nicht in das Gesamtbild der App ein, die Barrierefreiheit war nicht gewährleistet, und die verwendeten Farbcodes waren unverständlich. Daher sollte ein völlig neues, sowohl attraktives als auch funktionales Layout entstehen.
Zudem sollte das Modul über den Abfallkalender hinaus zusätzlichen Mehrwert bieten, indem es weitere Services integriert – etwa eine Liste lokaler Wertstoffhöfe oder die Möglichkeit, Sperrmüll direkt bei der Verwaltung anzumelden.
ZIELE
Den Nutzer:innen ermöglichen, den Abfallkalender nach ihren spezifischen Bedürfnissen zu konfigurieren und weitere Services zu nutzen
Um den Alltag für Bürger:innen zu erleichtern, gibt es statt eines gedruckten Papierkalenders einen digitalen, straßenbezogenen Abfallkalender mit einer benutzerfreundlichen Handhabung. Über die App haben die Nutzer:innen die Möglichkeit jederzeit Informationen zum Abfallkalender abzurufen Zudem können Abholtermine direkt in den gerätinternen Kalender exportiert oder per Push-Nachricht in Erinnerung gerufen werden.
Zusätzliche Funktionen wie ein Abfall-ABC mit detaillierten Entsorgungsinformationen oder die direkte Kontaktaufnahme mit der Verwaltung zur Sperrmüllanmeldung ersparen eine zeitaufwendige Recherche und stärken die Verbindung zwischen Bürger:innen und Verwaltung. Die Kommunen entscheiden beim Setup der Smart Village App, welche Inhalte sie kommunizieren wollen. Die Bürger:innen sollen sich mit ihren Anliegen ernst genommen fühlen.
User research
Ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und Pain Points der Nutzer:innen erhalten
Basierend auf Sekundärforschung wurden zwei fiktive Personas erstellt, um die Pain Points und Bedürfnisse der Zielgruppe besser zu identifizieren. Aufgrund begrenzter Budgetmittel und eines knappen Zeitrahmens war es leider nicht möglich, echte Nutzer:innen-Interviews durchzuführen und auszuwerten.

Paul, 42
Arbeitet nicht gerne analog und freut sich über einfache digitale Lösungen
Pragmatisch
Familienzentriert
Lebt auf dem Land
„Wenn ich zu viele To-Do’s auf der Liste habe, vergesse ich Sachen. Ich brauche einen einfachen und schnellen Zugang zu Informationen. Automatische Meldungen würden mein Selbstmanagement unterstützen.”
„Ich will als Zugezogener und Hausbesitzer im ländlichen Raum nicht dadurch auffallen, dass ich bei der Entsorgung Fehler mache. ”

Gisela, 60
Abfall ist für sie ein lästiges Thema, mit dem sie sich wenig befassen will
Pflichtbewusst
Lokal vernetzt
Kleinstädterin
„Verschiedene Verpackungsmaterialien oder Schadstoffe richtig zu entsorgen ist für mich stressig, da ich mir nie merke, wie sie richtig entsorgt werden. Eine Hilfestellung, die mir den Alltag erleichtert, wäre ideal.”
„Müll ist nicht mein Lieblingsthema. Ich möchte wenig Zeit damit verbringen und mich in meiner Freizeit lieber anderen Dingen widmen.”
Wichtigste Erkenntnisse
Im Alltag fällt es Nutzer:innen schwer, sich ausführlich mit dem Thema Entsorgung zu befassen
Wenig Motivation
Müllentsorgung ist lästig, aber ein fester Bestandteil des Eigentums. Diverse Informationsquellen und umständliche Prozesse sorgen oft für Frust.
Stress im Alltag
Zeitknappheit, lange To-Do-Listen, Vollzeitjobs, andere Prioritäten. Die Bürger:innen haben wenig Zeit sich mit dem Thema Entsorgung zu befassen.
Angst vor Fehlern
Gerade im ländlichen Raum ist eine korrekte Entsorgung wichtig. Die meisten Bürger:innen legen Wert darauf, gute Nachbar:innen und verantwortungsbewusste Gemeindemitglieder zu sein.
Wettbewerbsanalyse
Was machen Konkurrenzapps gut, was kann man verbessern oder wie von Anbietern abheben?
Auf Grundlage der herausgearbeiteten Erkenntnisse analysierte ich vier Konkurrenzapps, um zu verstehen, wie andere Anbieter diesen Ansprüchen gerecht werden. Dabei arbeitete wich sowohl positive als auch negative Aspekte der Apps heraus. Besonders inspirierend fand ich beispielsweise den Einbezug von lokalen themenbezogenen Nachrichten auf dem Homescreen der ESG Abfall-App oder die Filtersortierung des Abfallkalenders der mags-App. Zudem fand ich die Lösung des Platzproblems in der Kalenderansicht durch ein Overlay in der mags-App sehr sinnvoll.


EGN Abfall-App Niederrhein


MAIN-Features
Die Kernfunktionen des Moduls auf Basis der Erkenntnisse aus der Recherche
Abfallkalender
Ein barrierefreier Abfallkalender, der sowohl in Listen- als auch in Kalenderansicht verfügbar ist. Besonders wichtig sind eine individuelle Filterfunktion für die Darstellung sowie die Option, sich Abholtermine per Push-Benachrichtigung erinnern zu lassen.
Abfall-ABC
Das Abfall-ABC ist ein alphabetisches Nachschlagewerk, das Nutzer:innen schnell und unkompliziert den korrekten Entsorgungsweg für verschiedene Abfallarten aufzeigt.
Standorte Entsorgung
Wichtige kommunale Entsorgungsstandorte werden auf einer Karte angezeigt. Dies ermöglicht Nutzer:innen einen schnellen Überblick und direkten Zugriff auf die Öffnungszeiten der jeweiligen Einrichtungen, was Zeit und Nerven spart.
Die MoSCoW-Methode hilft, Features im Modul zu priorisieren
Designkonzept
Die UX-Erkenntnisse im Blick für ein sinnvolles UI-Design
Navigationsarchitektur
Das Modul ist im Prinzip in drei Bereiche unterteilt, die den Homescreen strukturieren.
Der Teaser zum Abfallkalenderbereich ist prominent platziert, um einen schnellen und intuitiven Zugriff zu ermöglichen. Erstnutzer:innen werden über einen auffälligen Call-to-Action-Button zur Eingabe einer Straße aufgefordert. Wenn man bereits registriert ist, erscheinen anstatt des CTAs Teaser der nächsten Abholtermine, die zum Abfallkalender führen.
Darunter finden Nutzer:innen Servicekacheln, die als Hub-and-Spoke-Menü zu weiteren Funktionen führen: z.B. dem Abfall-ABC oder einer interaktiven Karte mit Entsorgungsstandorten. Die Kommune kann sich hier flexibel ein individuelles Angebot nach ihren Bedürfnissen zusammenstellen.
Im dritten Bereich Aktuelles wird eine Nachrichtenliste mit drei Nachrichten über entsorgungsbezogene Themen angezeigt.
Durch diese klare Strukturierung können Nutzer:innen effizient auf die benötigten Funktionen zugreifen und erhalten einen umfassenden Überblick über die verfügbaren Funktionen.
Eine Sitemap hilft die Zusammenhänge zu verstehen
Flow Chart: Der Weg vom Homescreen der Smart Village App in den Abfallkalenderbereich
Low-fi-Wireframes um Übersicht zu schaffen und User flows zu prüfen
Der dargestellte Flow zeigt, wie Nutzer:innen vom Call-to-Action (CTA) auf dem Homescreen des Moduls über die Eingabe ihrer Adresse und die Einstellung von Abholungserinnerungen zum Abfallkalender gelangen. Dort können sie auswählen, welche Entsorgungskategorien gespeichert werden sollen, und zwischen Listen- oder Kalenderansicht wählen. In der Kalenderansicht erfolgt die detaillierte Anzeige der Abholtermine platzsparend über ein Overlay für die jeweiligen Tage.
Lösung
Die Ideen in einem Prototypen umsetzen
Nach Abschluss der Low-Fidelity-Wireframes konnte ich mit der Gestaltung des High-Fidelity-Prototyps beginnen. Durch mehrere Iterationsrunden verfeinerte ich das Design, bis die finale Version erreicht war. Anschließend konzentrierte ich mich darauf, einen nahtlosen und konsistenten Übergang zwischen den Screens sicherzustellen.
Digitaler Abfallkalender: Nie wieder einen Termin verpassen
Ein digitaler Abfallkalender bietet gegenüber der herkömmlichen Papierform zahlreiche Vorteile durch vielfältige Anpassungsmöglichkeiten. Nutzer:innen können ihre spezifische Adresse eingeben, um einen individuellen Abfuhrplan zu erhalten. Es besteht die Möglichkeit, sich per Push-Nachricht an bevorstehende Abholtermine erinnern zu lassen oder die Termine in den persönlichen Kalender zu exportieren.
Zudem kann die Darstellung der Abfallarten im Kalender nach persönlichen Vorlieben konfiguriert sowie zwischen Listen- und Kalenderansicht gewählt werden. Ein weiterer Vorteil ist die Aktualität der Informationen, da digitale Kalender stets auf dem neuesten Stand sind, im Gegensatz zu statischen Druckversionen.
Von A wie Aquarium bis Z wie Zeitung: das Abfall-ABC für alle Fälle
Das Abfall-ABC ist ein alphabetisches Nachschlagewerk, das Nutzer:innen schnell und unkompliziert den korrekten Entsorgungsweg für verschiedene Abfallarten aufzeigt. Ein integriertes Suchfeld ermöglicht die schnelle Suche nach Begriffen, während Unterkategorien und Synonyme helfen, den richtigen Begriff zu finden.
Besonders hilfreich sind die Querverweise zu den entsprechenden Entsorgungsstandorten innerhalb der Kommune.
Abfallentsorgung leicht gemacht: Die interaktive Standortkarte
Eine interaktive Karte zeigt wichtige kommunale Entsorgungsstandorte wie Wertstoffhöfe, Grüngutannahmestellen, Bauschuttdeponien sowie Container für Altglas und Altkleider. Zusätzlich sind Verkaufs- und Abholstellen für Abfallsäcke verzeichnet.
Diese Darstellung ermöglicht Nutzer:innen einen schnellen Überblick und direkten Zugriff auf Kontaktinformationen sowie Öffnungszeiten der jeweiligen Einrichtungen, was die Planung und Durchführung der Abfallentsorgung erheblich erleichtert.
Lokale Abfall-News: Wichtige Infos für Bürger:innen
Um die Verbindung zur Region zu stärken, bietet das Modul eine Nachrichtenliste, die automatisch Artikel zur Abfallentsorgung aus lokalen Quellen wie Zeitungen und Verwaltungsseiten bezieht. Hier finden Bürgerinnen und Bürger wichtige Mitteilungen, beispielsweise Termine für die Tannenbaumabholung oder eine Müllsammelveranstaltung. Die Beiträge können durch Bilder, Videos und Links ergänzt werden.
Ergebnisse
Wie würde ich die Key Performance Indicators (KPIs) nach dem Start messen?
Nach meinem Kenntnisstand wurde das neue Abfallkalender-Modul noch nicht implementiert. Da ich nicht mehr für Smart Village Solutions tätig bin, habe ich keinen Zugriff auf aktuelle Implementierungsdaten. Um die relevanten KPIs zu ermitteln, würde ich folgende Maßnahmen vorschlagen.
Nutzungshäufigkeit der Push-Nachrichten
Interessant wäre es zu ermitteln, wie oft diese Funktion genutzt wird, da es einen wahren Vorteil zu einem herkömmlichen Abfallkalender bietet.
Anzahl der Weekly/Daily users
Um den Erfolg der App zu messen, ist dies ein wichtiger Indikator, der zeigt, ob die App einen Mehrwert für die Nutzer:innen bietet.
Empfehlungen von Kunden
Smart Village Solutions arbeitet communitybasiert. Es wäre daher aufschlussreich über eine Umfrage den Net Promoter Score zu messen, also zu erfahren, wie viele Kommunen das Modul weiterempfehlen.
Über Umfragetool Nutzer:innen befragen
Mit dem appintegrierten Umfragetool lassen sich für einen definierten Zeitraum gezielt Microsurveys durchführen. Sie sind kostengünstig und erreichen die Nutzer:innen direkt.
Rückblick
Reflexion zum Arbeitsprozess
Nutzer:inneninterviews für spezifische Insights
Die Recherche mit Sekundärquellen lieferte wertvolle Erkenntnisse, mit denen wir gut arbeiten konnten. Dennoch gehe ich davon aus, dass gezielte Interviews – insbesondere zur Erfassung digitaler Kenntnisse, spezifischer Bedürfnisse oder Fragen rund um den Abfallkalender und Entsorgungsprobleme von Hausbesitzer:innen – noch präzisere Einsichten liefern.
Weniger ist mehr
Bei der Analyse von Konkurrenz-Apps fiel mir auf, dass viele zwar ansprechend gestaltet, aber mit Funktionen und Informationen überladen sind. Daher habe ich in den vier Iterationsrunden – unterstützt durch Feedbackgespräche im Team – die Überarbeitung gezielt auf Reduktion gesetzt. Ich bin überzeugt, dass eine konsequente Fokussierung auf das Wesentliche den größten Mehrwert bietet und die Nutzerführung in der App deutlich verbessert.
Das modulare Prinzip der App hat Vor- und Nachteile
Das Konzept der Smart Village App basiert auf der modularen Entwicklung, bei der mit jedem neuen Auftrag und Budget weitere Module entstehen, die allen Kommunen der Community zur Verfügung stehen. Dieser Ansatz folgt dem Schwarmprinzip, wodurch Kosten geteilt und Erfahrungen gemeinschaftlich genutzt werden können. Ein solches Konzept ist logischerweise nur auf einem modularen Prinzip realisierbar. Der Vorteil liegt in den erprobten UI-Komponenten, die in verschiedenen Modulen Anwendung finden. Der Nachteil besteht darin, dass außergewöhnliche Designlösungen entweder nicht umsetzbar oder nur mit Auswirkungen auf andere App-Komponenten realisierbar sind. Die Entwicklung komplexer und ungewöhnlicher Funktionen ist daher fehleranfällig. Deswegen haben wir im Team präferiert mit bereits angelegten Komponenten zu arbeiten. Diese Arbeitsweise war für mich neu und lehrreich und ich bin dankbar für diese wertvolle Erfahrung.